STUDIE
Perspektiven Bauzulieferindustrie 2026
– Stagnation mit Gestaltungskraft begegnen. Bauzulieferindustrie als Nukleus gesellschaftlicher Veränderungen verankern. Transformationskompetenz als neue Superpower –
Zum Jahresende haben wir wieder wesentliche Gestalter der Bauzulieferindustrie nach ihrer Perspektive für das Jahr 2026 befragt. Entstanden ist ein Bild eines fortgesetzten Übergangs. Der Markt bleibt angespannt, Hoffnungen auf eine rasche Erholung werden erneut gedämpft. Gleichzeitig verdichtet sich ein zentrales Motiv: Abwarten ist keine Option mehr. Gestaltung wird zur Führungsaufgabe. Diese Haltung prägt die Ergebnisse der 25 Gespräche.
Makroökonomisch bleibt 2026 ein Jahr auf Sparflamme. Wohnungsneubau und private Investitionen zeigen kaum Dynamik, politische Impulse wirken fragmentiert und verzögert. Wachstum entsteht – wenn überhaupt – punktuell: im öffentlichen Bau, in Infrastruktur, Energie, Bildung sowie außerhalb Deutschlands. Viele Hersteller richten ihren Blick daher bewusst nach außen oder in Nischenmärkte, um die strukturelle Schwäche des Heimatmarkts auszugleichen. Gleichzeitig verschiebt sich der strategische Fokus nachhaltig auf das Bauen im Bestand, was zwar kleinteilig und komplex ist, aber als stabilster Nachfrageanker gilt. Produktivität, Einfachheit und industrielle Logiken werden hier zum entscheidenden Differenzierungsfaktor.
In dieser Marktlage wird Ertragskraft zur Voraussetzung unternehmerischer Handlungsfähigkeit. Breite Wachstumsfantasien treten in den Hintergrund, stattdessen dominieren Fokussierung, Portfolio-Bereinigung und Kostendisziplin. Konsolidierung wird nicht als strategisches Ziel, sondern als Konsequenz unzureichender Margen verstanden – auf Hersteller-, Handels- und Verarbeiterseite gleichermaßen. Investiert wird selektiv: in profitable Kerngeschäfte, Service, Digitalisierung und Prozesseffizienz. Tiefe schlägt Breite. Wer heute keine Ergebnisspielräume schafft, verliert morgen die Fähigkeit zu investieren.
Parallel dazu verschärft sich der Wettbewerbsdruck strukturell. Chinesische Anbieter werden zunehmend als ernstzunehmende Wettbewerber eingeplant: technologisch reif, schnell und mit Skalenvorteilen ausgestattet. Hersteller reagieren weniger mit Abwehr als mit bewusster Positionierung: stärkere Markenführung, Servicekompetenz, Systemlösungen und klar definierte Differenzierungsfelder. „Made in Germany“ allein reicht nicht mehr, es muss mit Leistungsversprechen unterlegt werden.
Digitalisierung, Datenerfassung und -nutzung sowie KI ziehen sich als Querschnittsthemen durch alle Maßnahmen. Sie werden nicht als Vision, sondern als Überlebensstrategie verstanden: zur Steigerung von Produktivität, zur präziseren Marktbearbeitung, zur besseren Allokation knapper Ressourcen. Gleichzeitig mahnen viele Stimmen zur Nüchternheit. 2026 ist ein Übergangsjahr: Projekte laufen, Effekte bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Entscheidend ist weniger die Technologie selbst als die Fähigkeit, sie konsequent in Prozesse, Organisation und Führung zu integrieren.
Damit rückt Führung noch stärker ins Zentrum des Handelns. Transformatorische Kompetenz, Klarheit in Prioritäten und die Fähigkeit, widersprüchliche Anforderungen gleichzeitig zu managen, werden zur Schlüsselqualifikation.
Gleichzeitig dort mutig zu reformieren, wo erforderlich. Visionen im Kollektiv denken, Wettbewerbsgrenzen öffnen. Die Zukunft gemeinsam, über Gewerkgrenzen und Wertschöpfungsstufen gestalten. Die Bauzulieferindustrie mit ihrer ökonomischen Relevanz und Kraft als Nukleus gesellschaftlicher Veränderungen verankern. Führungsanspruch für unternehmerischen und gesellschaftlichen Wandeln mit einem glaubwürdigen und integrativen Narrativ nach vorne formulieren.
Abschließende Überlegungen
Unser Ziel ist es, mit den Perspektiven 2026 Entscheidungsträger wieder mit wertvollen Gedankenimpulsen und Erkenntnissen auszustatten, um ihre Organisationen in widerstandsfähige, kohärente und produktive Systeme auszubauen – zu einem stabilen und inspirierenden zuhause in einer instabilen und unsicheren Welt.